Begleittexte

Der Wasserturm vom Prenzlauer Berg
Von Gabriele Trillhaase - Jahr: 1998

Thumb Textilbild
 Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner Lederbilder. Es ist
 ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem und wasserfestem
 Stoff.
 Auf dem Original (gleiche Größe) habe ich mit einer Aale in das Leder geritzt. Der
 besondere Charakter des Leders und der Farben konnte wunderbar auf den Stoff
 übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur durch die Symbole
 auf ihren Köpfen.
 Für die helle Fläche auf dem Original habe ich Pergament verwendet.




Zum Bild:
von 1997 bis 2005 lebte ich in Berlin und davon acht Jahre im Prenzlauer Berg.
Dieses Bild erzählt von dem Beginn meiner Leidenschaft zu den Caféhaus-
Stühlen, die ich bis heute noch mit Leder gestalte.
Direkt am Wasserturm existiert ein Restaurant mit dem Namen „Wasserturm“. Bei einem Besitzerwechsel wurden die alten Bugholzstühle aus der Gründerzeit zum Kauf angeboten. Es war wahnsinnig, aber ich kaufte alle 45 Stück auf. Irgendwie schaffte ich es auch, sie in meinem 50qm großen Atelier unterzubringen.  Sie mussten alle gereinigt, geschliffen und neu gebeitzt werden, bevor ich sie mit Leder zu kleinen Kunstwerken verwandelt habe.
Der Wasserturm Prenzlauer Berg ist der älteste Berliner Wasserturm (Bauzeit 1875-1877). Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren diente er zur Versorgung des rasch anwachsenden Arbeiterbezirkes mit Wasser. Er hat eine bewegte und nicht immer gute Geschichte. Heute befinden sich im Turm  acht Wohneinheiten.
Die Quartiere um den Wasserturm und am Kollwitzplatz sind nach dem Fall der Mauer sehr schnell modernisiert worden. Die große Anzahl von neuen Restaurants und Geschäften zog viele junge Leute an. Es entwickelte sich dort ein regelrechter Baby-boom. Das war in dieser Zeit einzigartig in Europa.

Heute lebe und arbeite ich in Weimar, nahe meiner Heimatstadt Erfurt, habe aber immer noch einen Koffer in Berlin.


Havanna I
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 1997

Thumb Textilbild  Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder.
 Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem Material. Das
 Bild ist lichtecht und wasserunempfindlich.
 Auf dem Original  habe ich die Linien mit einer Aale in das Leder
 geritzt.  Der besondere Charakter des Leders und der Farben konnte
 wunderbar auf den Stoff übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur
 durch die Symbole auf den Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo bin ich
 selbst auf dem Bild zu finden.Die hellen Flächen sind im Original
 Pergament.




Havanna II
Thumb Textilbild  Zum Bild:
 Im Februar 1995 fuhr ich mit einer Malerin nach Havanna. Wir hatten
 uns eine private Unterkunft besorgt, um mehr über das Leben der
 Menschen zu erfahren.
 Tagelang zogen wir durch die Straßen und Hinterhöfe und erlebten
 auch, dass eine alte Band nur für uns spielte.
 Der Dollar hatte schon die Macht bekommen. Das Liebste für die
 Cubaner bekam man nur mit Dollar: Torten für die Frauen und  Benzin für die Männer und ihre uralten Autos.
 Wir konnten uns mit den Dollars in abgesperrte Restaurant und
 Hotels zurückziehen.
 Im Mittelpunkt des Bildes steht das Capitol, dass wenigstens
 architektonisch an die Verbundenheit mit den USA erinnert. Was die
 Pioniere nun wirklich mit dem Bild von Ernesto Che Guevara machen, ist offen.
Die Tabakfabrik nimmt einen großen Raum ein. Den Frauen wird beim drehen der Zigarren Geschichten vorgelesen, damit die Sehnsucht und die Freude mit hineingewickelt wird. Für mich war es ein Vergnügen, abends im
Schaukelstuhl auf dem Balkon unserer Wohnung mit einer  guten „Havanna“und  einem 7 Jahren alten Rum in die Musik dieser Stadt einzutauchen.
Links auf dem Bild ist ein Schachbrett mit  wild gestikulierenden Menschen (Trillis) darauf. Diese hatten wir in Havanna erlebt und erfuhren, dass es in Cuba verboten war, sich auf der Straße sich zu versammeln, außer man spricht laut über Sport. Die Menschen nutzten solche Art  Treffen dennoch, um Informationen auszutauschen.

Im Februar fand der Karneval statt. Eine Flasche Rum ermöglichte uns einen guten Platz an der Straße und wir konnten den ganzen Umzug hautnah miterleben.  Zwei Frauen allein in Havanna...das kann  nicht gut gehen.     

Wir schlossen uns mit einem alleinreisenden Engländer zusammen, was uns ermöglichte, unbehelligt abends durch die Straßen zu ziehen.
Die Uferpromenade (Malécon) ist auf dem Bild links unten zu sehen. Einer der schönsten Plätze von Havanna ist der Plaza de la Catedral. Dort saßen wir oft hinter der „Dollarmauer“ (rechts im Bild) und erlebten die temperament-
vollen, wunderschönen Cubanerinnen in ihrem Element.

Wenn es eine Faszination des Verfalls gibt, so erlebte ich sie in Havanna.
Auf diesem Bild konnte ich nur einen kleinen Teil von den vielen Eindrücken der Stadt in meine Bildsprache umsetzen. Ich hoffe, es erinnert die, die schon einmal dort waren,  und es lockt die anderen,  Havanna zu besuchen.
Man sollte seine Augen fest schließen, bevor man nach Cuba fährt und sie dort erst wieder aufmachen, als täte man es das erstmal in seinem Leben.




Bundespressekonferenz und ihre Vorgärten
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 2001

Thumb Textilbild  Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder, speziell der Städtebilder. Es ist ein hochwertiger 
 Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem und wasserfestem
 Stoff.
 Auf dem Original (100x100 cm) sind die Linien  mit einer Aale auf
 das Leder geritzt. Der besondere Charakter des Leders und die
 Farben konnten wunderbar auf den Stoff  übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur
 durch die Symbole auf ihren Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo-Blatt
 bin ich selber auf dem Bild zu finden.




Zum Bild:
Dieses Bild entstand 2001 und stellt das Gebäude der Bundespressekonferenz in Berlin am Schiffbauerdamm  dar. Hier werden mehrmals wöchentlich die Bundesministerien zu Pressekonferenzen vor inländischen und ausländischen Journalisten gehalten.
Vor dem Bau dieses Hauses war dort das „Niemandsland“ der Berliner Mauer.
Der Aktionskünstler Ben Wagin pflanzte dort gleich nach dem Fall der Mauer
gemeinsam mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft in einer einzigartigen Aktion Bäume. Heute ist davon noch das „Parlament der Bäume“ mit einem kleinen Mauerstreifen direkt neben der Bundespressekon-ferenz erhalten. Ben Wagin ist im Bild zweimal dargestellt: links neben dem Hochzeitspaar und in der Mitte vor dem Olivenbaum. Durch die Freundschaft mit ihm und die gemeinsame Liebe zu dem Ginkgo-Baum war ich oft an dieser Stelle und erlebte den Bau dieses Hauses.
Kurz vor der Fertigstellung des Gebäudes heiratete der Bauleiter Jürgen
Egerer dort zwischen den Mauerstreifen seine Frau Christine. Der Schauspieler Hilmar Baumann rezitierte Worte von Friedrich Schiller,  Schulkinder pflanzten Bäume und ich war auch dabei, als die aufgeregte Standesbeamtin bei Vogelgezwitscher, das von einer CD stammte,  die Ehe schloss.

Auf dem Bild wird der lichtdurchflutete Innenraum auf eine große Leinwand an die Hauswand projektiert. Die breite Treppe führt zum Konferenzsaal. Ein alter Geist spukt  und erinnert an den Wachturm, der dort stand und von dem aus der erste Mensch nach dem Bau der Mauer bei einem Fluchtversuch erschossen wurde. Die Linie auf dem Boden des Atriums markiert den Verlauf
der Mauer . Ben Wagin versucht auf meinem Bild eine Gedenktafel dort anzubringen, was aber nicht durch das Architektenpaar erlaubt wurde. 
Sie stehen wie zwei Wachposten vor der Eingangstür .                                              
Links unten:
Die Berliner Arche für die klugen Berliner Köpfe wird zu Wasser gelassen und Marlene Dietrich schaut freundlich zu.

Links oben:
Die Bauarbeiterversorgung (BVA) lockt den vorbeireitenden Kronprinzen, nach dem die Brücke über die Spree benannt wurde, mit einer Bulette.
Der Journalist Hort Stern hat sich auf einen Stern zurückgezogen und denkt. „Und wieder jagen sie eine Sau durch das  Dorf, dass Deutschland heißt“.

Rechts oben:
Die BSE-Krise tobt. Karl Marx steht auf einer Wolke und wirbt für sein Buch
„Das Kapital“. Das Kalb „Otto“ steht auf der Seucheninsel Riems und freut sich, ein Star der Medien zu sein.
In Berlin entstehen die ersten  Journalistenkreise. Man gibt sich Namen, wie z.B. „Die Millionäre“. Die Zeit rennt und rennt dem König Leser (auf dem Dach sitzt) hinterher.
Nach  zehn Jahren hat sich allerhand verändert, doch das Parlament der Bäume steht noch Dank Ben Wagin`s  unermüdlichem Einsatz. Die gepflanzten Ginkgo-Bäume tragen schon Früchte. Das bedeutet Hoffnung für diesen Ort.

Das Original des Bildes ist im Besitz der Bundespressekonferenz. Leder ist ein Naturmaterial und mein Bild hat sich verändert. Es hat PATINA angesetzt.

„PATINA ist das, was die Zeit den Dingen schenkt, wenn man sie lässt“. G.T.



Tafelrunde von Schloss Liebenberg

Thumb Textilbild




Berlin + Berlin = Berlin (Berlin I)
von Gabriele Trillhaase - Jahr:  1998   


Thumb Textilbild  
 Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder.
 Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem
 und wasserfestem Stoff.
 Auf dem Original (100x100 cm ) habe ich die Linien mit einer Aale in
 das Leder geritzt. Der besondere Charakter des Leders und der
 Farben konnte wunderbar auf den Stoff übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur
 durch die Symbole auf den Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo bin ich
 selbst auf dem Bild zu finden. Die hellen Flächen auf dem Original
 sind aus Pergament.


Zum Bild:
1987 bin ich von Erfurt nach Ost-Berlin gezogen und wohnte dort 18 Jahre in
Pankow, Prenzlauer Berg und in Berlin-Mitte. Unmittelbar erlebte ich so diesen riesengroßen Umbruch nach dem Fall der Mauer.. Dieses Bild habe ich 1998 gemalt. Die Mauer ist noch überall sichtbar und auch noch in den Köpfen der Menschen erhalten. Die deutsch-deutschen Liebesbeziehungen sind neben den Geschäftsbeziehungen die eigentliche  Wiedervereinigung.
Rechts sitzt auf dem Fernsehturm die alte preußische Königin und strickt die Spree zusammen. Darunter ruft Erich Mielke seine berühmt gewordenen Worte: „Ich liebe euch doch alle“ in die Welt.
Die Spreenixe muss viel Kraft aufwenden, um die Balance zwischen den „Bananen“ und dem Sozialpaket  zu halten.
Am Fuß des Fernsehturms  diskutieren Karl Marx und Friedrich Engels über die Bedeutung der Banane für das Ost-Berliner Proletariat.
Links unten wird gerade wieder das Denkmal vom „Alten Fritz“
 in der Straße Unter den Linden aufgestellt. Lange Zeit wurde es vor den DDR-Bürgern von der Arbeiter- und Bauern-Regierung versteckt.
Rechts oben sitzt Käthe Kollwitz auf dem Kollwitzplatz und schaut auf die vielen neuen Restaurants und die dort  immer mehr werdenden Kleinkinder.
Daneben steht  die Weltzeituhr und ist wie eh und je der Treffpunkt auf dem Alexanderplatz.
In der unteren Hälfte des Bildes (Mitte) gibt es noch die Riesenbaustelle vom Potsdamer Platz. Die Baugruben waren mehrere Stockwerke tief. Man konnte den Arbeitern zuschauen. Es wird behauptet , dass zu dieser Zeit mehr Rechtsanwälte auf den Baustellen waren, als Bauerbeiter.  Auch Berlin wurde wie andere Städte (z.B. St. Petersburg und Weimar) in einem Sumpfgebiet erbaut.  Das war für die Ingenieure und Architekten eine große Herausforderung.
Über dem Brandenburger Tor steht ein Stück Mauer, das durch ein Tor mit Büchern führt. Es symbolisiert die Bundestagsbibliothek im neu errichteten Marie-Elisabeth-Lüders-Haus  am Schiffbauer Damm.
 Das Stück Mauer stammt vom „Parlament der Bäume“. Der Aktionskünstler Ben Wagin pflanzte direkt nach der Öffnung der Mauer gemeinsam mit Politikern und anderen  Persönlichkeiten der Stadt auf dem Mauerstreifen am Schiffbauer Damm Bäume. Er machte sie damit zu Baumpaten. Ben Wagin ist es zu verdanken, dass dieses Kunstobjekt bis heute eine Bebauung verhindert hat und somit ein Stück Mauer auch erhalten blieb. Neben dem „Parlament der Bäume“ steht eigentlich das Haus der Bundespressekonferenz. Über dieses Gebäude habe ich ebenfalls ein  Bild geschaffen.
 Durch die Freundschaft mit Ben Wagin und unserer gemeinsamen Liebe zum Ginkgo-Baum war ich sehr viel auf diesem Gelände und konnte die großen Veränderungen miterleben.

In der Mitte des Bildes steht stolz das Reichstagsgebäude als Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin, auf das gerade mit einem Riesenkran
die gläserne Kuppel gesetzt wird.  Berlin hat diese Attraktion  dem Architekten Sir Norman Forster zu verdanken. Sie ist ein Symbol der Zukunft und für alle Menschen  über eine spiralförmige Treppe begehbar.
Über das Reichstagsgebäude am Tag seiner Eröffnung habe ich ebenfalls ein Bild geschaffen.

Die  Schlange versinnbildlicht den großen Strom von Menschen, die nach dem Fall der Mauer nach Berlin kamen. Unter ihnen gab es auch die „schwarzen Schafe“, die aus ihrem Bauch hervorkommen.

Links neben dem Reichstag  steht die Siegessäule mit der Siegesgöttin. Man verzeihe mir, dass ich sie auf einen Besen gesetzt habe.
In der unteren Bildmitte ist die Straße des 17. Juni zu sehen. Die Damen vom Liebes- Gewerbe locken mit ihren Körpern die vorbeifahrenden Herren.
Ich  stoppe den ganzen Verkehr, damit  eine Entenfamilie über diese breite Straße im Berliner Tiergarten laufen kann. Das ist eine wahre Geschichte.
Links unten wird ein Riesendöner gedreht.
Rechts steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf der der Geist der
Geschichte mit einem großen Spiegel wacht. Die Stadtväter von damals entschieden sich nach langen Diskussionen gegen einen Wiederaufbau der stark zerstörten Kirche. Sie ließen den Kirchturm als Ruine stehen und bauten 1963 nach den Entwürfen von Egon Eiermann zwei neue Gebäude daran.                                                                                                                      
Ob die aus dem KDW (Kaufhaus des Westens) kommenden, voll beladenen
Menschen dieses Mahnmal wahrnehmen? Vielleicht noch einige von den alten Trümmerfrauen, die auf meinem Bild die Gedächtniskirche stützen.

Links oben steht die Glienicker Brücke. Bis 1989 verlief genau in der Mitte der Brücke der Grenzstreifen zwischen der DDR und Berlin West. Sie trägt den englischen Spitznamen“ Bridge of Spies“, da in der Zeit des Kalten Krieges auf ihr mehrfach hochrangige Agenten beider Militärlager ausgetauscht wurden.

Mehr konnte ich leider nicht auf ein Stück Leder zeichnen.
Die alte Preußin wird heute immer noch auf dem Fernsehturm sitzen und  die Spree zusammenstricken.  Sie schaut zufrieden auf das, was sie schon geschafft hat. Wer gute Ohren hat, kann  das Klappern ihrer Nadeln hören.

Ich habe immer noch einen Koffer in Berlin.  Dies hat Marlene Dietrich immer gesagt. Die   Lieder von ihr habe ich in der Wendezeit gesungen.
Sie ist in Berlin-Schöneberg geboren. In meiner jetzigen Heimatstadt Weimar hat sie als blutjunge Frau gelebt. So schließt sich der Kreis.



Venedig und seine tanzenden Schornsteine
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 2001

Thumb Textilbild  
 Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder.
 Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem
 und wasserfestem Stoff.
 Auf dem Original (100x100) habe ich die Linien  mit einer Aale in
 das Leder geritzt. Der besondere Charakter des Leders und der
 Farben konnte wunderbar auf den Stoff übertragen werden. Die
 kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur durch 
 die Symbole auf den Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo-Blatt bin ich
 selbst auf dem Bild zu finden.
 


Zum Bild:
                              „Wenn ich anderes Wort für Musik finde,
                              fällt mir Venedig ein.“                Richard Wagner

Im Januar 1999 fuhr ich mit einem Venedig  liebenden Dichter in diese Stadt. Für mich war es das erste Mal. Zu dieser Zeit gab es ein Glück nicht viele Touristen. Um so schöner war es für mich, eingehüllt in eine  dicke Pelzjacke und mit guten Schuhen an den Füßen, mich in den Strom der Venezianer zu begeben, zu laufen oder mit dem Wasserbus zu fahren.
Venedig mit all seinen Schätzen kann man nicht auf einem einzigen Bild darstellen. Dieses Bild habe ich den kleinsten architektonischen Kostbarkei-
ten der Stadt gewidmet: den Schornsteinen mit ihren kleinen Palästen auf den Schornsteinköpfen. Da in Venedig die Erde und somit der Wald fehlt, war Heizmaterial schon immer Luxus, den sich nur die Wohlhabenden leisten konnten, um den Winter in den feuchten und  kalten Räumen angenehm zu überstehen.
Die Schornsteingruppe steht auf dem Palazzo Dario, der 1487 erbaut wurde und zu den schönsten Palästen der Stadt zählt.
Links in der Mitte steht der Dogenpalast (Palazzo Ducale). Er war gleichzeitig Rathaus, Gericht und die Wohnung des Dogen.
Auf der Piazetta findet man die vielen Tauben, die ebenso wie die Schätze von Venedig in den Fotoalben der Welt zu Erinnerungen werden.
Auf der großen Gondel in der Mitte trägt eine Venezianerin ein Kostüm, das ich in einem Geschäft gesehen hatte. Die Ratten und die weißen Rosen auf dem Kleid sind ein guter Kontrast und passen zu der Stadt Venedig. Vielleicht hat es jemand zum Karneval 1999 in Venedig getragen.
Die Figur hält die Säule mit dem Markuslöwen von der Piazetta (kleiner Platz). Der Löwe gilt in Venedig als Stadtheiliger.
An der Gondel erfolgt die Waschung der zwölf Apostel (Gemäldeauszug).
Unter dem rechten Ärmel des Kleides sieht man die Pferde von San Marco. Die Venezianer raubten sie 1204 aus Konstantinopel. Es ist eine Quadriga aus vergoldeter Bronze. Sie wurde zum Symbol der Macht des venezianischen Staates.
In der Bildmitte fährt ein Schiff mit dem venezianischen Kaufmann Marco
Polo  nach China, oder er kommt gerade von China zurück. Wer weiß?
Links und rechts unten sind die zwei Inseln in Form einer Dogenkappe zu sehen. Die Venezianer verbannten alles, was ihnen unangenehm und gefährlich war, auf die umliegenden Inseln: die Toten, die Geisteskranken, die Quarantänestationen, die verseuchten Menschen, die Schiffswerften, die Schießpulverfabriken und die Glasbläser.
Der Text auf der rechten  Insel, der Toteninsel, stammt von dem Bild „Markuslöwe“ von Vittore Carpaccio. Er bedeutet, dass ein Engel das „Heilige Venedig“ als Ort seiner höchsten Verehrung angekündigt hat.
Der Text auf der linken Insel, der Insel der Geisteskranken, gehört zu dem maskenhaften „Löwenmaul“, auch Bocca del Leone genannt, der an der Wand  am Dogenpalast hängt. Es ist ein anonymer Briefkasten, bei dem das Maul einen Schlitz hat für die Aufnahme von Anzeigen und Beschwerden an die Stadtverwaltung. Dem Missbrauch war dieses Maul jedoch auch weit geöffnet. Die Briefkästen gab es in der ganzen Stadt.
Der Text bedeutet:“ Geheime Denuntionen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen, oder sich im Geheimen absprechen, um derer wahren Gewinn zu verbergen.“
Links neben dem Dogenpalast ist die Seufzerbrücke (Ponte de Sospiri), die die Räume der Untersuchungsrichter mit dem Gefängnis verbindet. Von dieser Brücke aus gelang  einst Giacomo Casanova, der 1755 wegen Spionagetätigkeit in die Bleikammern des Dogenpalastes eingesperrt wurde, eine spektakuläre Flucht. Die Geschichte dieser Flucht gab er  später selber  unter dem Titel „Historie de ma fuite“in Prag heraus.
Über der Brücke habe ich das Bildnis des Dogen Leonarde Loredan (1501) von Giovanni Bellini nachempfunden. Ich habe es an den Kirchturm von San Marco, den Campanile, gehängt. Auf der Spitze steht der Erzengel Gabriel.
Dieser Turm, an dem mehrere Generationen gebaut hatten, stürzte am Morgen des 14. Juli 1902 ein. Es gab wie ein Wunder nur zwei Tote. Das waren eine Katze und ein Fischer. Der Fischer, so erzählt die Geschichte, kam wie jeden Morgen von seinem Fischfang zurück und fand seinen Orientierungspunkt, den Campanile, nicht mehr. Er bekam einen Herzschlag und starb. Die Katze und der Fischer erhalten von mir einen Grabstein auf dem Bild. Der Turm wurde in wenigen Jahren wieder aufgebaut.
Die Zeit frisst und frisst an den Mauern der Stadt.
Über den Uhren steht die Figur des MEDICO INDUSTROSO. Es ist der Pestarzt mit der Vogelmaske, in deren Schnabel schützende Kräuter lagen.
1575  wütete die Pest in Venedig und forderte 50.000 Menschenleben. Zuvor lebten dort 200.000 Menschen.  Die Stadt war  damals überbevölkert. Manche todkranke Menschen starben schon vor Schreck beim Anblick der Ärzte mit ihren Vogelmaskenmasken.  Die zweite Pestwelle wütete 1629/30. Als Dank für das Ende der Pest wurde 1687 die Kirche Santa Maria della Salute mit einer weit  sichtbaren Kuppel errichtet. Sie steht direkt an der Mündung des Canale Grande (bei mir rechts im Bild).
 Über dem Portal hängt das  angedeutete  Gemälde „Neptun überreicht Venedig seine Gaben“ von Giovanni Batista Tiepolo .

Neben der Kirche sitzt die Galeristin und Kunstsammlerin Peggy Guggenheim
(1898-1979) mit ihrer markanten Sonnenbrille und hält das Gemälde von Pablo Picasso „Am Strand“ in den Händen. Ihr Haus, der Palazzo Venier de Leoni, ist heute ein öffentliches Museum und wunderschön, wie ganz Venedig.
Alles andere überlasse ich der Phantasie.

Etwas zur Geschichte:
Um das Jahr 452 wurden die Menschen von der Adria durch den Hunnen-König  Attila vertrieben. Sie retteten sich in die Sümpfe der Lagune. Die Menschen, die dort die Malaria überlebten, sind die Vorfahren der Venezianer, ein großes und kühnes Geschlecht, das seine Stadt auf Eichen-
stämmen errichtete. Als Seefahrer und Kaufleute brachten sie über Jahrhun-
derte unschätzbare Reichtümer  in die Stadt.
Die Pest brachte schlechte Zeiten. Unter dem Motto „Je schlechter die Zeiten, desto mehr wird gefeiert“, schafften es die Venezianer als Anpassungskünstler
eine neue Quelle des Reichtums aufzubauen: den Fremdenverkehr.
Durch den Karneval, der mehrere Monate dauerte, ging ein verlockender Ruf in die Welt.
Goethes Vater sagt dazu:
„Die ganze Stadt taucht derart trunken und hemmungslos ein in ein törichtes
Vergnügen, dass mir tatsächlich übel geworden vor lauter Staunen und Entsetzen.....den Frauen muss man es wahrlich verzeihen, denn die meiste Zeit sind sie zu Hause.“

Doch dann besetzte Napoleon und später die Österreicher Venedig und es wurde ruhiger.  Erst nach dem verlorenen Krieg Österreichs gegen Preußen und dem Abzug der Österreicher konnte der Fremdenverkehr wieder erblühen. Es entstanden unzählige Cafés, Hotels, Theater und Spielhöllen. In dieser Zeit entwickelte sich ein Romatizismus, der besonders Künstler,  Hochzeitspaare, aber  auch Todessüchtige anzog.
Friedrich Nietzsche schrieb:
                „Aber hundert tiefe Einsamkeiten  bilden die Stadt Venedig - dies ist ihr Zauber.“
Richard Wagner starb 1883 in den Armen seines Leibgondolieres Luici in Venedig.
Rainer Maria Rilke schrieb eine wunderschöne Geschichte über das Ghetto von Venedig, wo die Juden aus ihrer Not  heraus immer höher bauten, um Platz für die rasch anwachsende Bewohnerzahl des Ghettos zu bekommen. Die Wände der oberen Stockwerke waren so dünn, dass der Wind durchpfiff.
Man findet diese Geschichte in den „Geschichten vom lieben Gott“ von
Rainer Maria Rilke.

Zum Glück gelang es den Futuristen um 1919 nicht, Venedig, „die verdorbene Krämerseele“,in eine Stadt mit zugeschütteten Kanälen und stählernen Brücken zu verwandeln. Der Charakter einer Industriestadt blieb ihr erspart.

Heute beherrscht der Massentourismus die Stadt, der Segen und Fluch gleichzeitig ist. Viele Venezianer können sich nicht mehr die Mieten leisten und werden nun wieder zu Vertriebenen. Sie ziehen zum wohnen auf das Festland nach Mestre.

In Venedig gibt es keine Autos, keine Fahrräder, keine Vespas. Man läuft, fährt mit der Gondel oder dem Vaporetto, dem Wasserbus und benutzt Schubkarren.
Das macht diese Stadt einzigartig.

                                 Möge Venedig ewig sein.
                                 Wir haben schon ein Atlantis
                                 und ein Vineta.




St. Petersburg
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 1998

Thumb Textilbild
 Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder.
 Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem
 und wasserfestem Stoff.
 Auf dem Original (100x100) habe ich die Linien mit einer Aale in das
 Leder geritzt. Der besondere Charakter des Leders und der Farben
 konnte wunderbar auf den Stoff übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur
 durch die Symbole auf den Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo-Blatt 
 bin ich auch auf dem Bild zu finden. Die hellen Flächen auf dem
 Original sind aus Pergament.


Zum Bild:
Im September 1995 bin ich mit einer Malerin nach St. Petersburg  gefahren, Um nicht nur die Stadt, sondern auch die Menschen und ihre Lebensumstände kennen zu lernen, mieteten wir uns ein Zimmer bei  einer alleinerziehenden Frau , die mit ihrem 8-jährigen Sohn in einer tristen Vorstadt-Beton-Siedlung wohnte (links unten auf dem Bild).Unsere Wirtin, die schöne Olga, habe ich sitzend auf einem der Hochhäuser dargestellt. Auf der Leiter trommelt ihr Sohn. Die wenigen Autos standen meistens in einem abgezäunten Areal und wurden bewacht. Die Autobesitzer, die sich das nicht leisten konnten, schraubten alle leicht entfernbaren Teile am Abend  ab und trugen sie nach Hause, um sie am Morgen wieder anzubauen.
Wir sahen die wunderschönen Petersburger Frauen abends nach der Arbeit  aus ihren Bussen steigen, um in den trostlosen Hochhäusern  zu verblühen. Ganz wenige Balkone hatten  Blumenschmuck.
Den größten Raum auf dem Bild nimmt das große Eisentor vom Winterpalais ein. Russland öffnet sich nach 70 Jahren sozialistischen Monokultur.
Am Tor hängen symbolisch Bilder aus der Eremitage (Fingerabdruck auf Pergament.) Den Köpfen habe ich goldene Heiligenscheine gemalt. Die Petersburger hatten begonnen, mit viel Liebe ihre zerfallenen und missbrauchten Kirchen wieder herzustellen.
Die zwei Figuren im oberen Bild verkörpern die LIEBE und die HOFFNUNG.
Das braucht das Land nach seiner langen, schweren Geschichte.
In der linken, oberen Ecke steht ein Jugendstilhaus, das immer noch ein Kaufhaus ist.
Diagonal durch das Bild fließt die Neva. Links unten kommt Zar Peter der Große von einer seiner Reisen zurück. Die Pioniere mit ihren roten Halstüchern stehen Spalier. Die Zeit steht kurz still.
St. Petersburg wurde in einem Sumpfgebiet errichtet, was viele Menschenleben gekostet hat. Sie werden unter der Basilika von mir gewür-
digt. Im rechten Tor ist der Eingang zur Eremitage zu sehen. Die Menschen strömen auf einen starken Mann zu, dem „Väterchen“ sagen. In Russland sagte man „Väterchen“ sowohl zu Gott als auch zum Zaren.
    ⁃    Ein oft gebrauchtes Wort in Russland ist „druschba“ und bedeutet „Freundschaft“. Es steht im
         Triumphbogen in der oberen Ecke, der auf einer großen Ausfall- oder Einfallstraße steht.
    ⁃    Alles andere erzählt die Phantasie des Betrachters.


Kassel
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 2002

Thumb Textilbild
 Dieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner
 Lederbilder.
 Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischem, lichtechtem
 und wasserfestem Stoff.
 Auf dem Original (100x100) habe ich die Linien mit einer Aale in das
 Leder geritzt. Der besondere Charakter des Leders und der Farben
 konnte wunderbar auf den Stoff übertragen werden.
 Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur
 durch die Symbole auf den Köpfen. Als Trilli mit dem Ginkgo-Blatt 
 bin ich auch auf dem Bild zu finden. Die hellen Flächen auf dem
 Original sind aus Pergament.


Das Bild „Warum gerade Kassel ?“ entstand als Anregung von  Frau Dagmar Christoph, die in der Königsgalerie das Geschäft „Ginkgo“ betreibt. Sie stellte dieses Bild während der documenta  11 in ihrem Geschäft aus.
Das Bild besteht aus vier Schwerpunkten:
    ⁃    die Stadt  mit ihren Gebäuden und ihrer Geschichte,
    ⁃    die documenta
    ⁃    der Ginkgo-Baum
    ⁃    meine persönliche Beziehung zu Kassel.

In der Mitte des Bildes steht das Fridericianum. Es ist das älteste, öffentliche Museum Europas. Der Landgraf Friedrich II steht unten auf dem Sockel.
Die Siegertreppe auf dem Dach deutet darauf hin, dass in der Stadt viele Superlative zu finden sind, so auch das erste öffentliche Theater „Otteneum“ (rechte Bildmitte).
Das Hildebrandlied als ältestes Zeugnis deutscher Sprache hängt mit Auszügen daraus rechts und links über dem Fridericianum.
Weiterhin gibt es den größten und schönsten  Bergpark  Europas (oberer Bildmitte) mit den Wasserspielen, dem Herkules und dem von ihm abgeschlagenen Kopf eines Giganten.
Das Vermessungswesen wurde in Kassel erfunden. Es gab das erste Entbindungsheim für ledige Mütter (linke Bildseite). Weiterhin gab es das erste anatomische Institut Deutschlands mit dem Goethe-Elefanten, die älteste Wagendarstellung Europas (oberer Bildmitte), Europas erste, fest eingerichtete Sternwarte (links oben im Bild), die Ursprünge der Dampfmaschine (links unten), die Erfindung des Sicherheits-schlüssels und Deutschlands einziges Tapetenmuseum mit einem ganzen Raum voller wunderbarer Ledertapeten.
Das Haus der Gebrüder Grimm mit ihrem Malerbruder Ludwig Emil Grimm findet man auf der rechten Bildseite.
Leider konnte ich nicht alles darstellen, was Kassel einzigartig  macht.
Man sagt von Kassel, dass viele bedeutende Leute nach Kassel kamen, dort große Werke geschaffen haben und dann wieder gegangen sind, aber viele blieben auch.
Warum gerade Kassel und warum nicht?

Einer der ältesten Ginkgo-Bäume Deutschlands steht im Bergpark Wilhelmshöhe (links oben). Eigentlich sind es drei Bäume, die vor dem ältesten Glas-Gewächshaus stehen. Der eine Baum wird durch dicke Metallstäbe gestützt, da an der Stelle das Innere des Stammes verfault war. Der Saftstrom gelangt durch die Baumrinde zu den Blättern und der Baum bedankt sich somit. Als ältester Baum der Welt ist der Ginkgo biloba ein Symbol der Hoffnung u.a.m..
Das Ginkgo-Blatt verwende ich  seit 1989 sehr vielgestaltig  in meinen Arbeiten.
Für mich es zum Symbol der Versöhnung mit der tiefen Gespaltenheit des Seins geworden.

Warum ist gerade Kassel der Ort der documenta geworden?
Die Antwort findet man in der Geschichte der Stadt. Schwere Bombenanschläge zerstörten auch das Fridericianum und einen großen Teil der Bibliothek. Es war   Professor Arnold Bode, der nach dem Ende des 2. Weltkrieges  in den Ruinen des Fridericianum  die Kunstwerke ausstellte, die einer ganzen Generation vorenthalten wurden, da sie als entartete Kunst  von den Nationalsozialisten aus der Gesellschaft entfernt wurden.
Professor Arnold Bode ist der Begründer der documenta. Einige Werke aus anderen documenta-Jahren sind auf meinem Bild zu sehen, wie das Traumboot, der Erdkilo-meter (Kassler Loch), der Daumen, das Rad, die Spitzhacke, der Himmelsstürmer, der Hase, der Fettfleck von Josef Beuys und einige seiner 7000 Eichen.
Der „Rahmen“ ist zum Kino geworden.
Die fünf Plattformen der documenta 11 werden in das Fridericianum getragen und der künstlerische Leiter Okwui Enzwezor steht im Fenster des Fridericianums  und zählt immer wieder neu bis fünf.

Rechts oben im Bild sind einige wichtige Menschen  versammelt, die einst zu ihrem Wohl oder zu ihrem Leid in der Stadt Kassel herrschten.
Auf dem roten Teppich kommt nun endlich SIE mit dem goldenen Schlüssel der Weisheit und der Friedenslilie. Der alte Butt steht (schwimmt) ihr mit seinem Ur-
wissen Rat gebend beiseite, wodurch neue Wunderwerke möglich werden können.


In der linken, unteren Ecke habe ich die fast lebenslange Freundschaft meiner
 Familie mit einer Arbeiterfamilie aus Kassel-Oberzweren verewigt. Von ihnen bekamen wir die ersehnten „Westpakete“ mit dem Duft von Jacobs-Kaffee und guter
mit Milka-Schokoladenduft und das DDR-Leben wurde mit einer Sehnsucht versüßt.
Darum gerade Kassel!
 


Was wäre wenn…?   Erfordia turrita
von Gabriele Trillhaase - Jahr: 2013

Thumb TextilbildDieses Bild gehört zu einer Reihe von Reproduktionen meiner Lederbilder, speziell  den Städtebildern.  Es ist ein hochwertiger Digitaldruck auf synthetischen, lichtechten und wasserfesten Stoff.
Auf dem Original (100x100 cm) sind die Zeichnungen  mit einer  Aale auf das Leder geritzt und dann mit einem  Stift nachgezeichnet. Der besondere  Charakter des Leders und die Farben konnten wunderbar auf den Stoff übertragen werden.
Die kleinen Figuren sind die „Trillis“. Sie unterscheiden sich nur durch Symbole auf den Köpfen. Ich selber bin immer das „Trilli“ mit dem Ginkgo-Blatt.
Das Erfurt-Bild entstand im Jahr 2012,  als ich nach 25 Jahren wieder in meine Heimatstadt  Erfurt  zurück gezogen bin und somit nach den vielen  Stationen meines Lebens mit 62 Jahren wieder den Kreis  geschlossen habe.
Sind es Zufälle, sind es Fügungen oder ist es ein großer  Plan, die unser Leben und eventuell auch die Geschichte einer Stadt bestimmen?  Ich möchte Ihnen mein Bild mit der Frage:“ Was wäre wenn?“  vorstellen.

Was wäre …
…wenn in der Sage „Die zwölf Johannesse“ von den Brüdern Grimm nicht der letzte von den 12 Schülern  vom Teufel gerade auf den Petersberg, damals Berbersberg genannt, heruntergeworfen worden wäre und der traurige Frankenkönig dort eine Kapelle gebaut hätte, denn damals war überall noch schiffbares Wasser bis zu der Zeit, als an der Sachsenburg der Stöpsel gezogen wurde?

…wenn der Missionar und Erzbischof BONIFACIUS im Jahre 742 nicht die heilige Eiche der heidnischen  Völker im Gebiet von Erfurt gefällt hätte, um ein Bistum zu errichten?

…wenn KARL DER GROSSE im Jahr 805 Erfurt  nicht zu einem Grenzhandelspunkt  des Fränkischen Reiches bestimmt hätte, da Erfurt an dem Knotenpunkt der zwei großen Handelsstraßen via regia und Nürnberger Geleitstraße lag?

…wenn es im Jahr 1000 keine kaiserliche Schenkung der Stadt Erfurt an das Erzbistum Mainz gegeben hätte?

…wenn  Anbau und Handel der Färberpflanze Waid den Erfurtern nicht so viel Reichtum gebracht hätte?

… wenn bei der Herstellung der Farbe Blau aus dem Waid nicht gerade Männerurin zum Einweichen gebraucht worden wären und die Erfurter Männer viel Bier trinken hätten müssen, da das Wasser damals nicht rein genug war?

…wenn man damals den Häusern keine Namen wie z.B. Haus „Zum Güldenen Stern“ sondern Zahlen gegeben hätte?

…wenn der wahrscheinlich 1300 geborene Till Eulenspiegel auf der Flucht aus Prag nicht gerade in Erfurt Halt gemacht hätte, um dort die Erfurter Gelehrten zu foppen, indem er mit ihnen wettete, dass er einem Esel das Lesen beibringen könne und gewonnen hätte?

…wenn man1392 nicht eine Universität gegründet hätte und diese im 15.Jh. zum Zentrum des Humanismus aufgestiegen wäre und somit zur Stätte des ältesten deutschen Hochschulstudiums („studium erfordense“) geworden wäre?

...wenn der bedeutendste deutsche Mystiker  MEISTER ECKEHART im Dominikanerkloster und in der Predigerkirche nicht über das NUN und Gott und die Welt philosophiert hätte?

…wenn die alte Synagoge in der Waagegasse, deren Bau schon 1100 begonnen hatte, nach dem Progrom 1349 nicht als Lagerraum umgebaut worden wäre und später aufgrund zahlreicher Verbauungen  im Dritten Reich nicht unerkannt geblieben wäre ?

…wenn bei Bauarbeiten 1998 nicht zufällig ein großer Schatz, zu dem auch ein wertvoller Hochzeitsring gehört,  gefunden worden wäre, den ein wohlhabender  Mann aus der jüdischen Gemeinde zur Zeit des Progroms 1349 versteckt hatte? Da kein Jude das Morden überlebte, erfuhr kein Erfurter von diesem Schatz.

...wenn 2007 Archäologen nicht die mittelalterliche  Mikwe (jüdisches Tauchbad  zur rituellen Reinigung) hinter der Krämerbrücke gefunden hätten?

…wenn der Arzt und Theologe  Amplonius Rating de Berka am 1. Mai 1412 nicht seine private Bibliothek mit 633 Büchern dem von ihm gestifteten Studienkolleg “ Zur Himmelforte“  geschenkt hätte?

…wenn die Bibliothekarin Elfriede Trott im Jahr 1945 diese Bibliothek nicht vor der sowjetischen Militärstelle geschützt hätte?

…wenn die Orte Kapellendorf, Vieselbach, Vargula und Vippach nicht zu den Besitzungen des alten Erfurt gehörten und keiner dieses schöne Wappen geschaffen hätte?

…wenn 1505 Martin Luther bei einem Spaziergang in Hochheim nicht einen Blitzschlag erlebt hätte, der seinen Freund tötete?

… wenn es keine Apfelbäume gäbe?

… wenn eine englische Fliegerbombe Ende des  Zweiten Weltkrieges nicht in das Waisenhaus des Augustinerklosters  gefallen wäre und 267 dort Schutz suchenden  Menschen den Tod gebracht hätte ?

… wenn es an dieser Stelle keinen Raum der Stille gäbe und dieser Ort seit 2008 ein Nagelkreuz-Zentrum geworden wäre und somit zur Versöhnung der Völker aufruft?

…wenn  nach den vielen Stadtbränden der Erfurter Rat nicht beschlossen hätte eine Steinbrücke mit darauf befindlichen Fachwerkhäusern zu bauen, die 1325 fertiggestellt wurde und Krämerbrücke heißt?

…wenn es keine Krämerbrückenstiftung  gäbe, die sich um die Pflege und den Erhalt der Brücke kümmert und darüber wacht, dass Handwerker, Künstler und Händler  in den kleinen Läden den malerischen Charme der Brücke bewahren?

…wenn es nicht den Kater Franz auf der Brücke gegeben hätte?

…wenn die Figur des Römers auf dem Fischmarkt nicht aus Stein wäre und wenigstens einmal eine Thüringer Bratwurst gekostet hätte?

…wenn die Herausgeber der Bücher „Villen in Erfurt“ u.v.a. Eberhard und  Ruth Menzel im Jahr 2010 nicht den Erfurter Kunstbildner Osmar Trillhaase, der der Ur-Großvater von Klaus-Eduard Trillhaase, dem Vater meiner Kinder, ist und der 1932 in der Kreuzgasse 2 gestorben ist, nachdem er zwölf Kinder und ein umfangreiches Werk aus Stein und Holz hinterlassen hat, entdeckt hätten?

…wenn nicht die Mutter einer Freundin mir einen Zeitungsartikel über  Osmar Trillhaase nach Weimar geschickt hätte?

…wenn der in Erfurt gebürtige Cousin von Osmar Trillhaase, Adalbert Trillhaase,  der als wohlhabender Mann in Düsseldorf neben der Galerie der Mutter Ey gelebt hatte, nicht den Maler Otto Pankok getroffen hätte, der ihn als 60jährigen Mann motiviert hatte im Jahr 1920  mit Malen anzufangen und nun als  bedeutendster naiver Maler Deutschlands gilt?

…wenn meine Tochter Anita als kleines Mädchen unseren ersten Kater Peter nicht an der Leine über den Platz an der Predigerkirche geführt hätte?

…wenn es die Folkgruppe „Brummtopf“ nicht gegeben hätte, die bei den ersten Krämerbrückenfesten spielte und drei der Musiker  heute noch leben würden?

…wenn ein drehbarer Käfig, in dem in alten Zeiten auf dem Domplatz Lotterweiber und Diebe eingesperrt  wurden, nicht den Namen „Trillhäuschen“  hätte?

…wenn es nicht den heiligen Martin gegeben hätte, der seinen Mantel teilte, um ihn einem Bettler zu geben?

…wenn es die vielen Wassermühlen und die klugen Mühlenbauern  nicht gegeben hätte, die die Kraft des Flusses Gera zum Wohle der Stadt und der Müller nutzbar gemacht hätten?

…wenn 1813 die Preußen nicht die Stadt beschossen hätten und viele Häuser auf dem Domplatz für immer verschwunden wären?

…wenn es das Puppentheater und das Cabaret „ Die Arche“  im historischen Waidspeicher  nicht gäbe?

… wenn sich der Götterbote Hermes  nicht schützend um die Diebe und Händler kümmern würde oder einmal seine geflügelten Schuhe verloren hätte?

…wenn eine brave Holländerin nicht den Gerard von Wou geboren hätte, der ein großer Glockenbauer wurde und es 1497 in Erfurt geschafft hatte, die drittgrößte Glocke der Welt mit ihrem Himmelsklang, die Gloriosa, zu bauen?

…wenn sich der arme Künstler, der das leider jetzt im verborgenen ruhende  große Marien-Mosaik-Bild, dass sich  am hinteren Dom befand, nicht vom Gerüst  zu Tode gestürzt hätte, weil er die eine Hand der Maria größer gemacht hatte, als die andere?

… wenn die Erfurter Bürger ab dem 14. Jh.  nicht immer wieder  die Lebensregeln  des Dichters  Freidank, die auf große, runde Holztafeln geschrieben wurden und im Erfurter Rathaus an den Wänden hingen, gelesen hätten?

…wenn aus der kleinen Kapelle auf dem Petersberg nicht die „Festung Peterberg“ mit der Pfeilerbasilika entstanden wäre, in der im Mittelalter eine Anzahl von Reichstagen stattfanden, und Kaiser Napoleon bei seinem wagemutigen Ritt auf einer Mauer der Festung vielleicht abgestürzt wäre?

…wenn  der RICHTIGE  Erfurter Künstler Thomas Nicolai mit anderen Helfern  nicht die Kraft und den Willen gehabt hätten, das „Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur“  am 1.September 1995 gegen viele Wiederstände  im Festungsgraben des Petersberges zu errichten?

…wenn es nicht die vielen großen und kleinen Leute geben würde, die die Stadt geprägt haben (deren Namen stehen im Kreis – es fehlen jedoch noch viele)?

…wenn nicht  seit dem Sturz des zwölften deutschen Schülers von der Himmelscheibe auf den Petersberg nicht  EINER oder EINE die schützenden Hände auf den Dom und die Severi-Kirche und somit auf die Stadt Erfurt legen würde?

Was wäre wenn… 
…ich noch mehr Zeit und Leder hätte, um so viele Bilder zu schaffen, auf denen ich all das mit meinen „Trillis“ noch erzählen könnte, was ich auf diesem Bild über  meine Heimatstadt Erfurt nicht geschafft habe?



Erfurt, den 2.April 2013

Copyright © 2001 - 2009 Gabriele Trillhaase